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Farbton selbst mischen: Pigmente in Kalkfarbe, Lehm und Kasein richtig dosieren

Fortgeschritten · 3 Stunden

Du willst keinen Ton aus dem Farbfächer, sondern deinen eigenen, und stehst mit der Pigmentdose vor dem Eimer: Wie viel darf rein, bevor die Wand kreidet? Die Antwort steht nicht auf dem Pigment, sondern im Merkblatt des Bindemittels. Kalkfarbe, Kaseinfarbe und Lehmfarbe haben unterschiedliche Obergrenzen, und bei Kalk unterscheiden sich innen und außen um mehr als das Zehnfache. Dieser Text zeigt dir die Grenzen, die Musterreihe und das Rechenbeispiel für eine Wand mit 20 m².

Kalkecht heißt alkalibeständig, nicht "natürlich"

Frische Kalkfarbe hat einen pH-Wert um 13. Ein Pigment, das dieser Alkalität nicht standhält, verliert seine Farbe oder schlägt um, teils erst nach Wochen. Deshalb kommen in Kalk nur anorganische Erd- und Mineralpigmente: Ocker, Umbren, Eisenoxide, Chromoxidgrün und die technisch hergestellten Spinelle. Kreidezeit weist seine Erd- und Mineralpigmente durchgehend als kalkecht und alkalibeständig aus.

Nicht geeignet sind organische Farblacke und Berliner Blau, auch Preußisch- oder Miloriblau genannt: lichtecht und sehr farbstark, aber gegen Alkali unbeständig. Ultramarin ist ein Sonderfall. Es gilt als kalkbeständig, doch getönte Kalkprodukte müssen zügig verarbeitet werden, das Merkblatt zur Sumpfkalkfarbe nennt 12 Stunden, das Pigmentmerkblatt 24. Nimm den kürzeren Wert. Außen ist Ultramarinblau wegen der sauren Luft nur begrenzt brauchbar.

Wenn du unsicher bist, ob ein altes Glas aus dem Regal noch taugt: Rühr eine Messerspitze in einen Rest Kalkfarbe, lass sie 24 Stunden stehen und streich sie neben einer frisch angesetzten Probe aus. Was umschlägt, siehst du dann.

Wie viel Pigment darf rein? Drei Bindemittel, drei Grenzen

Die Obergrenze setzt immer der Hersteller des Bindemittels, weil sie davon abhängt, wie viel freies Bindemittel übrig bleibt. Wird jedes Pigmentkorn nicht mehr sauber eingebunden, kreidet die Fläche und färbt beim Anfassen ab.

Kalkfarbe: innen 100 g je Liter, außen 7,5 g je Liter

Für die Kreidezeit Sumpfkalkfarbe gilt innen maximal 100 g Pigment je Liter Farbe, das ist die dunkelste Farbstufe. Außen sind es nur 7,5 g je Liter. Der Unterschied ist kein Tippfehler: Eine bewitterte Fassade braucht deutlich mehr Kalk pro Pigmentkorn, sonst wäscht sie aus. Wer den Innenwert nach draußen überträgt, produziert eine kreidende Fassade. Auf welchen Untergründen Kalkfarbe überhaupt hält und wie sie verarbeitet wird, steht in Kalkfarbe streichen.

Zweite Regel aus demselben Merkblatt, die im Laden regelmäßig überrascht: Abgetönte Sumpfkalkfarbe wird gestrichen, nicht gerollt. Mit der Bürste im Kreuzschlag, nass in nass, ohne Vorstreichen der Ecken. Gerollt entstehen bei getönter Kalkfarbe Wolken und Streifen. Besonders die roten Eisenoxide neigen dazu.

Kaseinfarbe: bis 10 Prozent vom Farbpulver

Die Kaseinfarbe zum Selbstanrühren verträgt bis zu 10 Prozent Pigment, gerechnet auf das trockene Farbpulver, also maximal 100 g je Kilogramm. Hier rührst du das Pigment am einfachsten klümpchenfrei direkt ins Ansetzwasser, bevor das Pulver dazukommt. Nur zum Nachtönen schlämmst du es später mit etwas Wasser an.

Lehm: eher zurückhaltend dosieren

Für Lehmfarbe nennt conluto bis 8 Prozent Zugabe. Lehm bringt über den Ton schon eine Eigenfarbe mit, die mitspielt, deshalb wirken kleine Pigmentmengen hier stärker als erwartet. Wie viele Anstriche eine Lehmfarbe braucht und woher Ansätze kommen, steht in Lehmfarbe streichen ohne Ansätze. Rote und braune Eisenoxide, die in Kalkfarbe gern wolkig werden, lassen sich in Putzen und Spachtelmassen dagegen sehr gut verarbeiten. Wenn du einen kräftigen Erdton willst, ist der Conluto Lehm Flächenspachtel, abgezogen mit der venezianischen Glättekelle, oft der ehrlichere Weg als die Kalkfarbe. Welche Oberflächen damit möglich sind und wann du filzt statt glättest, steht in Lehm-Edelputz: gefilzt, geglättet, strukturiert.

Warum Pigmente angeteigt werden

Pigmentpulver ist feinteilig und stark verklumpt. Kippst du es trocken in die fertige Farbe, hängen sich Wasser und Bindemittel außen an die Klumpen, innen bleibt es trocken. Beim Streichen zerreibt die Bürste diese Nester und zieht Schlieren.

Angeteigt wird mit etwa dem halben Pigmentgewicht an Wasser, also 500 ml auf 1 kg, bis eine glatte Paste ohne Klümpchen entsteht. Im Kalkhandwerk lässt man die Paste zusätzlich sechs bis acht Stunden quellen, bevor sie in die Farbe geht. Das Anteigwasser zählt zur Verdünnung: Die Sumpfkalkfarbe verträgt 5 bis 10 Prozent Wasser, mehr macht sie zu dünn.

Schritt für Schritt: Farbton für 20 m² Wand festlegen

Reine Arbeitszeit rund drei Stunden, dazwischen liegen Einsumpf- und Trockenzeiten. Rechenbeispiel: 20 m² Innenwand, glatt, zwei Anstriche Sumpfkalkfarbe, mittlerer Braunton.

  1. Untergrund vorbereiten. Bei getönter Kalkfarbe zeichnen sich Saugfähigkeits- und Strukturunterschiede durch. Ausbesserungen und nur verspachtelte Trockenbauplatten deshalb vollflächig mindestens 1,5 mm mit Wandspachtel überziehen. Putze, Spachtelmassen und Beton mit Kaseingrundierung vorstreichen und durchtrocknen lassen.
  2. Bedarf rechnen. 0,15 l je m² und Anstrich, zwei Anstriche, 20 m²: 6,0 l. Plus rund 15 Prozent für Muster und Nachbesserung: 7 l. Das ist ein 10-l-Eimer oder zwei 5-l-Eimer.
  3. Musterreihe ansetzen. Vier Becher zu je 250 ml Farbe, dosiert auf 20, 40, 60 und 80 g Pigment je Liter, also 5, 10, 15 und 20 g je Becher. Dafür brauchst du eine Waage mit 0,1-g-Auflösung, die Küchenwaage ist zu grob.
  4. Pigment anteigen. Je Portion die halbe Menge Wasser, klümpchenfrei anrühren, sechs bis acht Stunden stehen lassen, nochmals aufrühren, dann in die Farbe einrühren.
  5. Muster streichen. Auf demselben grundierten Untergrund wie die Wand, zwei Anstriche. Kreidezeit gibt rund 8 Stunden Trocknung bei 20 °C und 65 Prozent Luftfeuchte an, plane besser 12 Stunden zwischen den Anstrichen. Verarbeitung nicht unter 8 °C.
  6. Trocken beurteilen. Bei Tageslicht und abends bei Kunstlicht, an der Wand hängend, nicht auf dem Tisch. Notiere zu jedem Muster die Gramm je Liter.
  7. Charge anmischen. Alle Gebinde in einen Kübel, aufrühren, dann die Pigmentpaste in einem Zug einrühren. Bei 25 g je Liter sind das für 7 l genau 175 g, eine Dose Eisenoxidbraun. Zum Anteigen etwa 90 ml Wasser. Die Innengrenze läge bei 700 g, du bleibst also weit darunter.
  8. Streichen. Bürste im Kreuzschlag, zügig nass in nass, während der Arbeit gelegentlich aufrühren. Nicht rollen. Welche Bürste dafür taugt und wie du sie hinterher rettest, steht in Werkzeug für Lehm und Kalk.

Für Kaseinfarbe geht die Rechnung anders auf: 175 g Pulver je m² und Anstrich, zwei Anstriche, 20 m² ergeben genau 7 kg, also einen Sack. Bei 2 Prozent Tönung sind das 140 g Pigment, etwa aus der 200-g-Dose Sonnengelb. Für einen ruhigen Grauton reicht ein Bruchteil davon: Eisenoxidschwarz ist extrem färbekräftig, deshalb gibt es die kleine 50-g-Dose. Klare Grüntöne, die in Kalk stabil bleiben, kommen aus dem Spinellgrün, einem bei 1200 bis 1600 °C eingebrannten Mischphasenpigment.

Typische Fehler

  • Farbton am nassen Anstrich beurteilen. Nass ist die Kalkfarbe durchscheinend und wirkt dunkler, die volle Deckkraft kommt erst mit der Trocknung. Abgetönte Wandfarben und Putze werden beim Trocknen heller.
  • Zu viel Pigment. Über der Herstellergrenze fehlt Bindemittel, die Fläche kreidet. Außen ist die Grenze bei Kalk um ein Vielfaches niedriger als innen.
  • Nachtönen im laufenden Anstrich. Ergibt einen sichtbaren Ansatz. Lieber von Anfang an mit Reserve mischen.
  • Rollen statt Streichen. Bei getönter Sumpfkalkfarbe laut Merkblatt ausgeschlossen.
  • Rezeptur nicht notiert. Ohne Protokoll in Gramm je Liter lässt sich in zwei Jahren kein Ausbesserungsansatz reproduzieren.
  • Angetönte Reste zu lange lagern. Zugesetzte Pigmente schränken die Lagerfähigkeit ein, angerührte Kaseinfarbe muss am selben Tag verarbeitet werden.

Sicherheit

Sumpfkalkfarbe ist alkalisch und als ätzend eingestuft: H315 verursacht Hautreizungen, H318 verursacht schwere Augenschäden. Schutzbrille und Schutzhandschuhe sind beim Anmischen und Streichen Pflicht, gerade über Kopf. Spritzer auf Glas, Fliesen, Metall oder Brillengläsern sofort mit viel Wasser entfernen, sie können irreversible Flecken hinterlassen. Bei Augenkontakt mehrere Minuten spülen und ärztliche Hilfe holen.

Pigmentpulver ist sehr fein. Auch wenn die Kreidezeit-Standardpigmente nicht als Gefahrstoff eingestuft sind, gilt: Staub nicht einatmen, ruhig und tief im Gefäß umfüllen, nicht aus der Höhe schütten, bei größeren Mengen Staubmaske tragen. Die Kaseinfarbe enthält Milcheiweiß, achte auf mögliche Naturstoffallergien. Einen faulig riechenden Kaseinansatz nicht mehr verarbeiten, der Geruch bleibt sonst in der Wand.

Häufige Fragen

Was heißt kalkecht und woran erkenne ich ein kalkechtes Pigment?

Kalkecht heißt alkalibeständig: Das Pigment verändert seine Farbe nicht, obwohl frische Kalkfarbe einen pH-Wert um 13 hat. Erd- und Mineralpigmente wie Ocker, Umbra, Eisenoxide, Chromoxidgrün und Spinelle erfüllen das, Kreidezeit weist seine Erd- und Mineralpigmente ausdrücklich als kalkecht aus. Organische Farblacke und Berliner Blau sind es nicht. Steht im Datenblatt nichts zur Alkalibeständigkeit, gehört das Pigment nicht in Kalk.

Wie viel Pigment darf maximal in Kalkfarbe?

Das legt der Hersteller der Farbe fest, nicht der des Pigments. Für die Kreidezeit Sumpfkalkfarbe gilt innen maximal 100 g Pigment je Liter Farbe, außen nur 7,5 g je Liter, weil bewitterte Flächen deutlich mehr freies Bindemittel brauchen. Über der Grenze fehlt Kalk, um jedes Pigmentkorn einzubinden: Die Fläche kreidet und färbt beim Anfassen ab.

Warum muss ich Pigmente vorher einsumpfen?

Trockenes Pigmentpulver ist verklumpt und nimmt Wasser nur langsam auf. Rührst du es direkt in die fertige Farbe, bleiben Nester stehen, die du erst beim Streichen als Schlieren siehst. Angeteigt wird mit etwa dem halben Pigmentgewicht an Wasser, also 500 ml auf 1 kg Pigment, bis eine klümpchenfreie Paste entsteht. Im Kalkhandwerk lässt man sie zusätzlich sechs bis acht Stunden quellen.

Warum sieht der nasse Anstrich dunkler aus als der trockene?

Solange Wasser im Film steht, füllt es die Hohlräume zwischen den Partikeln, die Fläche streut weniger Licht und wirkt satter. Beim Trocknen verschwindet das Wasser, die Kalk- und Marmorteilchen streuen wieder, der Ton hellt auf. Kreidezeit schreibt es klar ins Merkblatt: Abgetönte Wandfarben und Putze werden während des Trocknens heller. Beurteile den Farbton deshalb nie nass.

Wie mische ich eine Charge so an, dass sie für die ganze Wand reicht?

Rechne den Gesamtbedarf für alle Anstriche aus, schlag 10 bis 15 Prozent für Muster und Nachbesserungen auf und mische diese Menge in einem einzigen Ansatz. Mehrere Gebinde vorher in einem großen Kübel zusammenschütten und aufrühren. Notiere Gramm Pigment je Liter Farbe schriftlich. Nachtönen mitten in der Fläche ergibt fast immer einen sichtbaren Ansatz.

Kann ich dasselbe Pigment in Lehm, Kalk und Kasein verwenden?

Ja, kalkechte Erd- und Mineralpigmente vertragen alle drei Bindemittel. Die Dosierung überträgst du aber nicht: Kalkfarbe innen erlaubt bis 100 g je Liter, Kaseinfarbe bis 100 g je Kilogramm Farbpulver, conluto nennt für Lehmfarbe bis 8 Prozent. Auch die Optik unterscheidet sich, dieselbe Menge Ocker wirkt in Kalk lasierender und wolkiger als in Lehm. Also je Bindemittel eine eigene Musterreihe.

Quellen