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Lehm-Edelputz und Dekorputz auftragen: glatte und strukturierte Oberflächen

Fortgeschritten · 10 Stunden

Du willst keine Wand, die einfach nur weiß ist, sondern eine, die man ansieht. Dann ist die Frage nicht mehr, welcher Lehmputz hält, sondern welche Oberfläche du willst und mit welchem Werkzeug du sie bekommst. Beides hängt zusammen, denn die Struktur entsteht nicht im Eimer, sondern in dem Moment, in dem du die frische Fläche bearbeitest.

Was ein Lehm-Edelputz ist und was er nicht leistet

Lehm-Edelputz, Lehmdekorputz und Lehm-Farbspachtel sind Dünnlagenbeschichtungen nach dem Technischen Merkblatt TM 06 des Dachverbands Lehm. Sie sind durchgefärbt und ersetzen den Anstrich, sie tragen aber nur wenige Zehntelmillimeter bis wenige Millimeter auf. Daraus folgen zwei Dinge, die im Laden regelmäßig für Enttäuschung sorgen.

Erstens gleicht ein Edelputz keine Untergrundfehler aus. Unebenheiten, Risse und Stellen mit abweichendem Saugverhalten zeichnen sich durch. Die Ebenheit muss aus der Lage darunter kommen, also aus Unter- und Oberputz — wie dieser Aufbau gerechnet wird. Zweitens ist die Oberfläche nicht scheuerbeständig: Lehm-Dünnlagenbeschichtungen sind wasserlöslich und werden deshalb in die Nassabriebsklasse 5 nach DIN EN 13300 eingeordnet, sofern nichts anderes deklariert ist. Für Wohnräume, Flure und Decken passt das, für den direkten Spritzwasserbereich in Bad und Küche nicht.

Welche Oberfläche willst du?

Der wichtigste Satz aus der Verarbeitungspraxis lautet: Je später der Zeitpunkt der Bearbeitung, je trockener der Putz also ist, desto feiner wird die Oberfläche. Früh bearbeitete Flächen werden rauer. Aus zu früh angetrockneten Bereichen kann sogar Material herausgerieben werden. Und weil Glätte und Rauheit das Licht unterschiedlich brechen, nimmt das Auge sie als Farbunterschied wahr. Ungleichmäßige Trocknung wird also als Wolke sichtbar, nicht als Struktur.

Gefilzt

Der Klassiker und der verzeihendste Weg. Gefilzt wird mit dem groben Filzbrett oder einem Reibebrett mit Latexschwamm. Feine Filzbretter setzen sich zu schnell mit Mörtel zu und taugen höchstens für einen letzten sehr feinen Gang. Das Brett soll feucht sein, nicht nass. Über die Zahl der Filzgänge steuerst du, wie fein es wird.

Geglättet

Glätten ist schwieriger und zeitaufwendiger als Filzen, und die gleichmäßige Verteilung von Stroh oder anderen Zuschlägen braucht Erfahrung. Dafür bekommst du die dichte, ruhige Fläche, wegen der die meisten zum Edelputz greifen. Beginnen kannst du kurz nach dem ersten Filzgang.

Strukturiert

Kellenschwungstrukturen, Bürstenstriche, Fleckspachtelungen: Das alles arbeitest du ins frische Material. Zieh in langen Zügen oder in kleineren organischen Bewegungen mit wechselnden Richtungen auf. Rechte Winkel, Treppen und gerade Linien vermeidest du, angesetzt wird immer an der frischen Kante und diagonal vorgearbeitet.

Welche Kelle brauchst du wofür

Für den Auftrag nimmst du einen Edelstahlglätter oder eine Japankelle. Beim Glättwerkzeug lohnt sich Qualität, sonst bekommst du Metallabrieb in eine helle Fläche, und der geht nicht mehr raus. Aus demselben Grund gilt: sauberes oder neues Werkzeug, und nach der Arbeit sofort mit Wasser reinigen.

Für die feine Endbearbeitung auf kleinen und mittleren Flächen ist die venezianische Glättekelle das passende Blatt: kurz, schmal, gerundete Kanten, dadurch setzt sie keine Ansätze. Wir führen sie in zwei Ausführungen im Format 240 x 100 mm, die venezianische Glättekelle rostfrei mit Softgriff und die CO.ME venezianische Glättkelle. Rostfrei ist bei hellen Lehmputzen kein Komfortmerkmal, sondern Bedingung, weil Rostspuren sich in der saugenden Oberfläche festsetzen.

Dazu kommen ein Flächenspachtel oder eine Rakel für die Putzgrate, ein sauberer Schwamm fürs Freiwischen und ein Rührwerk oder eine Bohrmaschine ab 800 Watt. Von Hand bekommst du das Material nicht knotenfrei. Was davon zur Grundausstattung gehört und wie du es nach der Arbeit reinigst, steht in Werkzeug für Lehm und Kalk.

Der Untergrund entscheidet über das Ergebnis

Der Putzgrund muss trocken, planeben, fest, tragfähig, sauber, staubfrei und ausreichend griffig sein. Entscheidend ist ein gleichmäßiges Saugverhalten: Wo die Wand stärker saugt, zieht der Putz schneller an, und genau das siehst du später. Schwindrisse musst du schließen, weil sich im Rissbereich die Auftragsstärke ändert. Haarrisse sind unkritisch. Wie du Tragfähigkeit und Saugverhalten prüfst und was auf welchen Untergrund gehört, steht in Worauf hält Lehmputz.

Für die Zwischenlage, die aus einem brauchbaren einen guten Untergrund macht, eignet sich ein Lehm-Flächenspachtel. Der Conluto Lehm-Flächenspachtel Lehmweiß läuft von 0,1 bis 3 mm Auftragsstärke, verbraucht rund 1,0 kg/m² je Millimeter Schichtstärke und wird mit etwa 0,4 l Wasser je Kilogramm Trockenpulver angerührt. Nach zwei Minuten Rühren, fünf Minuten Quellzeit und erneutem Durchrühren ziehst du ihn mit dem Glätter auf. Für sehr glatte Flächen glättest du zeitnah mit einer großen Rakel nach oder schwammst mit leichter Feuchtigkeit ab. Nach vollständiger Trocknung lässt er sich trocken schleifen.

Eine Grundierung egalisiert das Saugverhalten und bremst das Anziehen, was deine Bearbeitungszeit verlängert. Auf Gipsplatten brauchst du eine stabile Konstruktion und sicher armierte Fugen. Beton wird bei dunklen oder kräftigen Farbtönen fluatiert, sonst drohen helle Verfärbungen.

Die Musterfläche ist Pflicht, nicht Kür

Leg eine ausreichend große Arbeitsprobe an, bevor du die Wand anfängst. Sie beantwortet drei Fragen auf einmal: Trägt der Untergrund, schlagen Stoffe durch, und gefällt dir die Struktur? Dafür gibt es den Lesando Capriccio Lehmdekorputz im 2-kg-Gebinde. Bei rund 700 bis 900 g/m² in der ersten und 400 bis 700 g/m² in der zweiten Lage reichen 2 kg für gut 1,5 m² zweilagig, genug für eine belastbare Probe.

Schritt für Schritt: 20 m² Sichtfläche

Der Ablauf gilt für einen zweilagigen Lehmdekorputz. Kalkuliere für 20 m² etwa zehn Arbeitsstunden ohne Trockenzeiten.

  1. Untergrund prüfen und vorbereiten. Risse schließen, Fehlstellen ausspachteln, Saugverhalten angleichen, gegebenenfalls grundieren. Vollständig durchtrocknen lassen.
  2. Musterfläche anlegen und mindestens einen Tag trocknen lassen, bevor du sie beurteilst. Der Farbton im nassen Zustand sagt nichts über den trockenen — warum das so ist, steht in Farbton mit Pigmenten mischen.
  3. Raum vorbereiten. Fenster zu, Heizung aus. Zugluft und Heizungsluft trocknen Teilflächen unterschiedlich schnell aus und können Risse verursachen. Nach der Bearbeitung darfst du moderat lüften und heizen.
  4. Material anrühren. Lesando gibt für Capriccio rund 33 % Anmachwasser an, also etwa 4 l je 12 kg; für den 16-kg-Sack sind das gut 5 l. Wasser zuerst ins Gefäß, dann das Pulver bei laufendem Rührwerk zügig einstreuen, etwa eine Minute intensiv mischen, 20 Minuten quellen lassen und noch einmal aufschlagen. Für die ganze Wand rührst du gleich genug Material aus mehreren Gebinden derselben Charge an.
  5. Erste Lage auftragen, dünn über Korn abgezogen. Grate sofort mit dem Flächenspachtel abnehmen.
  6. Zweite Lage je nach gewählter Ausführung nass in mattfeucht oder erst nach vollständiger Trocknung der ersten Lage.
  7. Oberfläche bearbeiten. Erster Filzgang beim Übergang von nass-glänzend zu feucht-matt. Zweiter Filzgang nach zwei bis vier Stunden, dritter nach weiteren zwei bis drei Stunden. Die Fläche muss dabei noch dunkel, also feucht sein, helle Stellen dürfen nicht auftauchen. Wer glätten will, setzt kurz nach dem ersten Filzgang an.
  8. Abklebebänder abziehen, solange der Putz oberflächlich noch feucht ist. Die Bandkante muss vorher um die Auftragsdicke zurückgesetzt worden sein, sonst reißt du beim Abziehen den Putzrand mit ab.
  9. Nach mindestens 48 Stunden freiwischen. Mit sauberem, feuchtem Schwamm in zwei bis drei Strichen. Bei dunklen Tönen sehr sparsam mit Wasser arbeiten, sonst wird die Farbwirkung wolkig.

Wie viel Material brauchst du für 20 m²?

Rechne immer mit Zuschlag und leg Trockenmaterial für spätere Reparaturen zurück.

Lesando Capriccio, zweilagig geglättet: 20 m² x 0,7 bis 0,9 kg/m² in der ersten Lage ergibt 14 bis 18 kg, dazu 20 m² x 0,4 bis 0,7 kg/m² in der zweiten Lage, also 8 bis 14 kg. Zusammen 22 bis 32 kg. Zwei Gebinde Capriccio Lehmdekorputz 16 kg decken das ab. Auf rauen Untergründen wie Lehm- oder Kalkgrundputz gibt Lesando für die erste Lage mindestens 1000 g/m² an, dann brauchst du ein drittes Gebinde.

ClayTec YOSIMA, 2 mm Schichtdicke: Der Verbrauch liegt bei etwa 3,3 kg/m², ein 20-kg-Eimer reicht für rund 6 m². Für 20 m² sind das rechnerisch 66 kg, also vier Eimer YOSIMA Lehm-Designputz SCGE 1.0. Wählst du eine Strukturvariante mit Zuschlag wie Granit, Perlmutt oder Stroh, kommen laut Hersteller 20 bis 25 % Material dazu, dann sind es fünf Eimer.

Lehm-Flächenspachtel als Zwischenlage: Bei 1,0 kg/m² je Millimeter reicht ein 20-kg-Sack für 20 m² bei 1 mm Auftragsstärke.

Typische Fehler

  • Zu viel Wasser. Weder beim Anrühren noch beim Nachfeuchten der Oberfläche. Zu viel Wassereintrag führt zu Schwindrissen und Abkreidungen.
  • Nachträglich Trockenmörtel in die angesetzte Masse geben. Das gibt Knoten. Verdünnen mit Wasser ist erlaubt, nachpulvern nicht.
  • Zu dick auftragen. Die maximale Lagenstärke ist keine Empfehlung. Bei YOSIMA sind 2 mm je Lage die Grenze, bei Capriccio 1,5 mm.
  • Zu wenig Material für eine zusammenhängende Fläche anrühren. Angerührte Masse wird mit der Zeit dünnflüssiger, und die Konsistenz beeinflusst Oberfläche und Farbwirkung. Ansätze mitten in der Wand siehst du hinterher.
  • Ungleichmäßiges Saugverhalten ignorieren. Häufigste Ursache für wolkige Flächen, und sie liegt fast nie am Putz.
  • Das Freiwischen weglassen. Notwendiger Arbeitsgang, kein Kosmetikschritt.

Sicherheit

Beim Anrühren und beim späteren Trockenschliff entsteht Staub. Atme ihn nicht ein, trage eine Schutzbrille und sorge für Absaugung. Bei Augenkontakt mit reichlich Wasser spülen. Materialreste eintrocknen lassen und nach den örtlichen Vorschriften entsorgen, nicht über das Abwasser. Zur künstlichen Trocknung keine gasbetriebenen Heizgeräte einsetzen, sie bringen zusätzliche Feuchte in den Raum; richtig ist ein Kondensationstrockner. Das jeweils gültige Sicherheitsdatenblatt des Herstellers gilt in jedem Fall.

Häufige Fragen

Welche Oberflächen sind mit Lehm-Edelputz überhaupt machbar?

Von grob gefilzt über fein gefilzt bis geglättet und geschliffen ist alles drin, dazu Kellenschlag und andere rustikale Strukturen. Entscheidend ist nicht das Material, sondern der Zeitpunkt der Bearbeitung: Je später du an die Fläche gehst, je trockener der Putz also ist, desto feiner wird die Oberfläche. Ein und derselbe Putz liefert damit sehr unterschiedliche Ergebnisse.

Warum lege ich vorher eine Musterfläche an?

Weil sich Farbton und Struktur erst an der Wand zeigen. Die Musterfläche prüft drei Dinge gleichzeitig: ob der Untergrund gleichmäßig saugt, ob Stoffe wie Nikotin, Lignin oder Rost durchschlagen und ob dir die Struktur gefällt, die du dir vorgenommen hast. Bei Lehm-Edelputz ist die Arbeitsprobe kein Extra, sondern Teil der Vorbereitung. Ein 2-kg-Gebinde reicht dafür.

Wann glätte ich, wann filze ich, wann strukturiere ich?

Der erste Filzgang startet, wenn die Fläche vom nass-glänzenden in den feucht-matten Zustand übergeht. Ein zweiter Gang ist je nach Saugfähigkeit und Witterung nach zwei bis vier Stunden möglich, ein dritter nach weiteren zwei bis drei Stunden. Mit dem Glätten kannst du schon kurz nach dem ersten Filzgang beginnen. Strukturen ziehst du dagegen ins frische, noch weiche Material.

Wie dick trägt man einen Edelputz auf?

Dünn. Beim ClayTec YOSIMA Lehm-Designputz darf eine Lage 2 mm nicht überschreiten. Lesando Capriccio liegt bei maximal 1,5 mm je Lage und gesamt bei etwa 1,5 bis 3 mm. Lehm-Flächenspachtel läuft je nach Aufgabe zwischen 0,1 und 3 mm. Größere Vertiefungen gleichst du vorher mit Feinputz oder Spachtel aus, nicht mit dem Edelputz selbst.

Wie schütze ich eine Sichtfläche vor Abrieb?

Der wichtigste Schritt ist das Freiwischen oder Abbürsten nach mindestens 48 Stunden Trocknung. Das nimmt lose Körnung ab und verbessert die Abriebfestigkeit spürbar. Lehm-Dünnlagenbeschichtungen fallen bauartbedingt in die Nassabriebsklasse 5 nach DIN EN 13300, sie sind also nicht feucht scheuerbar. Wer mehr Schutz braucht, arbeitet mit Tiefengrund und Naturwachs, muss aber eine Abdunklung des Farbtons einkalkulieren.

Wie flicke ich eine beschädigte Stelle unsichtbar aus?

Fehlstelle mit Sprühnebel anfeuchten, das Wasser kurz einwirken lassen, dann mit feinem Werkzeug und zurückgelegtem Originalmaterial ausbessern. Sobald die Oberfläche matt-feucht ist, verreibst du den Reparaturbereich vorsichtig mit dem Schwamm in die bestehende Fläche, notfalls schwammst du die ganze Wand ab. Rechne mit sichtbaren Abweichungen: Lehm und Ton schwanken abbaubedingt im Farbton.

Quellen