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Lehmfarbe streichen ohne Ansätze: wie viele Anstriche du wirklich brauchst

Einsteiger · 5 Stunden

Die zwei Fragen, die im Laden am häufigsten zu Lehmfarbe kommen, sind immer dieselben: Warum sieht man nach dem Trocknen die Bahnen, und reicht ein Anstrich? Die kurze Antwort: Ansätze entstehen fast nie an der Farbe, sondern daran, dass eine Wand in Etappen gestrichen wurde. Und du solltest mit zwei Anstrichen planen, auch wenn manche Produkte in einem durchkommen.

Lehmfarbe oder Lehmstreichputz: was du eigentlich kaufst

Beide werden mit derselben Technik aufgetragen, sie unterscheiden sich in der Körnung.

Lehmfarbe hat kein Korn und ergibt eine glatte, matte Fläche. Die ClayTec Lehmfarbe Reinweiß und die AURO Profi-Lehmfarbe Nr. 331 kommen verarbeitungsfertig im Eimer, du rührst sie nur auf. Die Volvox Espressivo Lehmfarbe mont blanc ergibt eine samtmatte Oberfläche und ist laut Hersteller wegen ihres hohen Festkörpergehalts oft schon mit einem deckenden Anstrich fertig.

Lehmstreichputz enthält Marmorkörnung und hinterlässt eine feine Struktur. Das ist der Unterschied, den man aus zwei Metern Abstand sieht: Die Fläche wirkt lebendiger und schluckt kleine Unebenheiten. Der Hessler LehmLine Lehm-Streichputz hat 0,5 mm Korn, der Lesando Mio! Lehmstreich- und Rollputz Raumweiß trägt je Lage rund 0,25 mm auf. Beide sind Trockenmaterial und werden mit Wasser angesetzt.

Beim Einkauf zählt vor allem: Fertigware verarbeitest du sofort und hebst Reste im Eimer auf. Pulver musst du anrühren, quellen lassen und innerhalb weniger Tage verbrauchen, weil es ohne Konservierungsmittel auskommt.

Wie viele Anstriche brauchst du?

Lehmfarben decken bauartbedingt schwächer als Dispersionsfarben. Das ist kein Mangel, sondern eine Folge der mineralischen Rezeptur und des geringen Bindemittelanteils. Zwei Punkte, die dich sonst irritieren:

  • Im nassen Zustand deckt der Anstrich nicht. Lehmstreichputz erscheint beim Auftragen teiltransparent. Die volle Deckkraft kommt erst mit der Trocknung, bei Hessler nach etwa 24 Stunden. Streich nicht nach, weil es nass fleckig aussieht.
  • Der Untergrund entscheidet mehr als das Produkt. Auf gleichmäßig saugendem, hellem Lehm- oder Kalkputz kann eine satte Lage reichen. Auf Gipskarton, über einem Altanstrich oder bei Farbtonwechsel brauchst du zwei. Willst du den Farbton selbst anmischen, gelten dafür eigene Obergrenzen: Farbton mit Pigmenten mischen.

Plane deshalb zwei Anstriche. Wenn einer reicht, hast du Material übrig — der bessere Fehler.

Wie viel Material brauchst du für 20 m²?

Als Beispiel: zwei Wände à 4,00 m Länge bei 2,50 m Raumhöhe, zusammen 20 m². Gerechnet mit zwei Anstrichen.

Produkt Verbrauch je Anstrich Bedarf für 20 m², zwei Anstriche Gebinde
AURO Profi-Lehmfarbe Nr. 331 0,11–0,14 l/m² 4,4–5,6 l 10 l reicht mit Reserve
Volvox Espressivo mont blanc 0,100–0,125 l/m² 4,0–5,0 l 5 l reicht knapp
Lesando Mio! Streich-/Rollputz 120–150 g/m² (einlagig) 180–260 g/m² zweilagig = 3,6–5,2 kg 5 kg reicht knapp
Hessler LehmLine Streichputz ca. 0,5 l/m², ca. 20 m² je Eimer 10-l-Eimer genau passend
ClayTec Lehmfarbe Reinweiß 10 l reichen für ca. 18 m² auf rauem, stark saugendem Putz bzw. ca. 33 m² auf glattem, schwach saugendem Untergrund je nach Untergrund ein bis zwei Eimer

Wo ein Gebinde rechnerisch gerade so passt, nimm das nächstgrößere oder ein zweites: Auf rauem Lehm-Oberputz saugt die Wand deutlich mehr, als der Mittelwert vermuten lässt. Und bei Pulver kommt Wasser dazu — beim Lesando Mio! 6 Liter auf 5 kg, beim Hessler-Eimer rund 8 Liter auf 7,8 kg Trockenmaterial.

Der Untergrund entscheidet, ob Ansätze entstehen

Ansätze entstehen dort, wo die Wand unterschiedlich schnell saugt oder wo eine Teilfläche antrocknet, bevor die nächste angeschlossen wird. Deshalb ist die Untergrundprüfung kein Vorgeplänkel, sondern der eigentliche Hebel.

Zwei Proben reichen. Wisch mit der Hand über den Putz: Kreidet es, ist der Untergrund sandend und muss gefestigt werden. Spritz Wasser an die Wand: Perlt es ab, brauchst du eine Haftbrücke. Zieht es sofort ein und bleibt die Stelle lange dunkel, saugt die Wand stark und zieht dir sonst die Farbe unter der Rolle weg. Die ausführliche Prüfung mit Wisch-, Kratz- und Benetzungsprobe steht in Worauf hält Lehmputz.

Für glatte, saugende Flächen wie Gipskarton, Gipsputz oder Beton ist eine gekörnte Putzgrundierung die saubere Lösung. Die Lesando PRELUDIO Putzgrundierung auf Kali-Wasserglas-Basis gleicht unterschiedliches Saugverhalten aus, macht die Fläche griffig und liefert einen einheitlich weißen Grund — bei glatten, ebenen Untergründen mit rund 330 g/m². Bei ungleich saugenden Altuntergründen empfiehlt AURO für die Profi-Lehmfarbe den AURO Tiefengrund Nr. 301 oder einen Voranstrich mit maximal 10 % verdünnter Lehmfarbe.

Die ClayTec Lehmfarbe kommt auf tragfähigen, ausreichend rauen Untergründen in der Regel ohne Grundierung aus. Bei durchschlagenden Substanzen wie Rost, Ruß oder Nikotin brauchst du dagegen zwingend einen Sperrgrund, sonst kommt der Fleck durch beide Anstriche.

Werkzeug: welche Rolle passt

Auf strukturierten, saugenden Flächen wie Lehm- oder Kalkputz brauchst du eine Rolle mit langem Flor, die genug Material aufnimmt und in die Vertiefungen drückt. Die Colorus Top Streif PLUS Malerwalze 25 cm mit 21 mm Flor ist dafür gemacht. Achte beim Rahmen auf 48 mm Innendurchmesser und 25 cm Breite. Feuchte den Bezug vor dem ersten Einsatz an, das entfernt lose Fasern und verbessert die Farbaufnahme.

Auf glatten, grundierten Flächen liefert eine kurzflorige Rolle das gleichmäßigere Bild — Lesando empfiehlt für den Mio! genau das. Willst du bewusst eine lebendige Struktur, nimmst du statt der Rolle eine Lasurbürste im Kreuzschlag.

Dazu: Abstreifgitter oder Farbwanne, Flachpinsel für Ecken, Papierklebeband und für Pulverprodukte ein Rührwerk mit Farbquirl. Hessler schließt einfache Bohrmaschinenaufsätze ausdrücklich aus. Welcher Flor zu welchem Untergrund passt und wie du alles wieder sauber bekommst, steht in Werkzeug für Lehm und Kalk.

Schritt für Schritt: 20 m² in zwei Etappen

Rechne mit rund fünf Stunden reiner Arbeit, verteilt auf zwei Tage. Die Wartezeit zwischen den Anstrichen lässt sich nicht abkürzen.

  1. Untergrund prüfen und vorbereiten (15 Min.). Wischprobe und Wasserprobe machen, lose Teile entfernen, Löcher schließen. Bei Trockenbau die Stöße vollflächig verspachteln.
  2. Abkleben und abdecken (45 Min.). Übergang zur Decke mit Papierklebeband abkleben. Trick gegen unsaubere Kanten: den Klebebandrand zuerst im Farbton der Decke überstreichen und trocknen lassen. Dann kann die Wandfarbe nicht mehr hinter das Band laufen.
  3. Grundieren, wenn nötig (30 Min. plus Trocknung). Glatte oder ungleich saugende Flächen vorbehandeln. Trocknungszeit der Grundierung abwarten.
  4. Material ansetzen (30 Min.). Fertigware nur gut aufrühren. Pulver: Wasser vorlegen, Pulver einstreuen, mindestens eine Minute mischen, etwa 20 Minuten quellen lassen, erneut aufrühren. Beim Hessler-Streichputz rund 30 Minuten stehen lassen und nochmals aufrühren.
  5. Ränder vorstreichen (20 Min.). Ecken und Anschlüsse mit dem Pinsel, aber nur so viel, wie du gleich mit der Rolle einholst.
  6. Erster Anstrich (45 Min.). Teilfläche satt auftragen, gleichmäßig vertreiben, Material nicht ganz ausrollen. Vor dem Weitergehen die vorige Teilfläche drucklos ohne neue Farbe nachrollen.
  7. Trocknen lassen. AURO Nr. 331 ist bei 20 °C und 65 % relativer Luftfeuchte nach 4–6 Stunden überstreichbar, Volvox Espressivo nach 6–12 Stunden, der Hessler-Streichputz nach etwa einem Tag.
  8. Zweiter Anstrich (45 Min.) in derselben Reihenfolge und Richtung wie der erste.
  9. Abziehen und reinigen (20 Min.). Klebeband im frischen Zustand abziehen, Werkzeug sofort mit Wasser auswaschen.

Halte die Verarbeitungstemperatur ein: ClayTec nennt mindestens 12 °C Oberflächentemperatur, Volvox 8 °C, Hessler über 5 °C. Zu kalt heißt ungleiche Trocknung, und das sieht man hinterher.

Typische Fehler

Die Wand in Etappen streichen. Der häufigste Grund für Ansätze. Bei Decken und Wänden über etwa 12 m² lohnt es sich, zu zweit zu arbeiten: einer schneidet die Kanten, einer rollt.

Angetrocknete Stellen nachbessern. Wer in eine halbtrockene Fläche zurückrollt, löst die erste Lage wieder an und erzeugt einen Fleck, den man nach dem Trocknen sieht. Besser: komplett durchtrocknen lassen und die ganze Fläche noch einmal streichen.

Zugluft während des Trocknens. Fenster auf Durchzug lässt die Anschlussflächen ungleich abtrocknen. Lüften ja, Durchzug nein.

Die Mischung innerhalb eines Raums ändern. Bei Pulverprodukten führt mehr oder weniger Wasser zu sichtbar unterschiedlicher Deckung. Notier das Verhältnis und halte es im ganzen Raum ein.

Zu sparsam auftragen. Beim Streichputz muss eine Mindestmenge an die Wand, sonst deckt er nicht. Die Rolle nie leer ausrollen.

Nach dem Anrühren zu lange warten. Angesetztes Material ohne Konservierung ist zwei Tage verarbeitbar, danach kann es kippen. Setz nur an, was du an dem Tag schaffst.

Sicherheit

Lehmprodukte sind keine Gefahrstoffe im klassischen Sinn, aber ein paar Punkte gehören beachtet:

  • Pulver einstreuen ohne Staub. Beim Ansetzen von Trockenmaterial nicht schütten, sondern langsam einstreuen, und Staub nicht einatmen.
  • Alkalische Produkte. Der Hessler LehmLine Streichputz ist alkalisch. Haut und Augen schützen, bei Kontakt gründlich mit Wasser spülen, bei Augenkontakt zum Arzt.
  • Spritzverarbeitung. Beim Airless-Sprühen Schutzmaske tragen, es entstehen lungengängige Tröpfchen.
  • Konservierungsmittel. Die Volvox Espressivo enthält Isothiazolinone und kann allergische Reaktionen hervorrufen. Reagierst du darauf empfindlich, nimm ein Pulverprodukt ohne Konservierung, etwa von Lesando oder Hessler.
  • Lüften. Während Verarbeitung und Trocknung für Frischluft sorgen, ohne Durchzug.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lehmfarbe und Lehmstreichputz?

Lehmfarbe ist ein Anstrich ohne Korn und ergibt eine glatte, matte Fläche. Lehmstreichputz enthält Marmorkörnung und hinterlässt eine feine Putzstruktur, die Unebenheiten schluckt. Die Körnung reicht je nach Produkt von rund 0,13 mm bis 0,5 mm. Verarbeitet wird beides mit Rolle oder Bürste, der Streichputz braucht aber mehr Material pro Quadratmeter und einen griffigen Untergrund.

Wie viele Anstriche brauche ich, bis es deckt?

Plane zwei Anstriche ein. Das ist bei Lehmfarben der Normalfall und steht so in den meisten Herstellerangaben. Auf gleichmäßig saugendem, hellem Untergrund kann ein satter Auftrag reichen, etwa bei der Volvox Espressivo. Auf Grundputz, bei Farbtonwechsel oder über dunklem Altanstrich brauchst du zwei Lagen. Beurteile die Deckung erst nach vollständiger Trocknung.

Wie vermeide ich sichtbare Ansätze auf großen Flächen?

Arbeite nass in nass und stelle eine Wand immer in einem Zug fertig. Streiche Ecken und Kanten nur so weit vor, wie du sie mit der Rolle einholen kannst, bevor sie antrocknen. Rolle jede Teilfläche drucklos in die vorherige aus. Vermeide Zugluft und direkte Sonne, denn ungleiches Trocknen erzeugt genau die Ränder, die du nicht willst.

Ist Lehmfarbe abriebfest genug für Flur und Treppenhaus?

Für normal beanspruchte Wände ja. ClayTec Lehmfarbe und AURO Profi-Lehmfarbe Nr. 331 sind in Nassabriebklasse 3 nach DIN EN 13300 eingestuft, also waschbeständig. In Bereichen, wo regelmäßig Jacken, Taschen oder Kinderhände an die Wand kommen, ist ein gekörnter Lehmstreichputz robuster als eine glatte Farbe. Rechne trotzdem damit, gelegentlich auszubessern.

Kann ich Lehmfarbe im Bad oder in der Küche einsetzen?

An normal belüfteten Bad- und Küchenwänden ja, im direkten Spritzwasserbereich nicht. Lehm bleibt wasserlöslich, deshalb schließt ClayTec den Spritzwasserbereich ausdrücklich aus. AURO weist die Profi-Lehmfarbe Nr. 331 dagegen als spritzwasserresistent aus. Hinter Waschbecken, Herd und in der Dusche gehören Fliesen oder eine andere Beschichtung hin, kein Lehmanstrich.

Wie bekomme ich Flecken aus einer Lehmfarbenwand?

Trockene Verschmutzungen zuerst trocken angehen: weiche Bürste, trockener Schwamm oder heller Radiergummi. Nass wischen treibt den Fleck in die Breite, weil der Anstrich saugfähig ist. Fettflecken lassen sich meist nicht mehr entfernen. Dann hilft nur Ausbessern: Farbe verdünnen und in mehreren hauchdünnen Lagen auftupfen, bei getönten Wänden besser die ganze Fläche neu streichen.


Bei unklarem Untergrund: bring ein Foto und eine Materialprobe mit ins Ladengeschäft. Das ist in zwei Minuten geklärt.

Quellen