Titelbild zum Ratgeber „Wasserglas: Kaliwasserglas oder Lithiumwasserglas, und wann welches?“

Wasserglas: Kaliwasserglas oder Lithiumwasserglas, und wann welches?

Fortgeschritten · 4 Stunden

Im Regal stehen zwei Flaschen, die fast gleich aussehen und beide „Wasserglas" heißen. Sie sind aber nicht austauschbar. Wer sich vertut, riskiert eine wolkige Wand. Dieser Ratgeber sagt dir, welches für welche Aufgabe gedacht ist.

Die kurze Antwort

  • Kaliwasserglas ist das Bindemittel für Silikatfarbe und dient verdünnt zur Putzfestigung auf unbehandelten, kunstharzfreien und nicht hydrophobierten Kalk- und Kalkzementputzen sowie bei der Renovierung alter kunstharzfreier Silikatanstriche. Von der transparenten Fixierung von Lehmputz rät der Hersteller ausdrücklich ab.
  • Lithiumwasserglas ist ein verkieselndes, härtendes Bindemittel für unbehandelte mineralische Putze, Beton, Stein und Mauerwerk, innen wie außen. Auf Lehmputz ist es nur im Innenbereich einsetzbar und ist die Wahl des Herstellers für die transparente Festigung von Lehmputz.
  • Beide werden nie unverdünnt verarbeitet, nie gerollt, und beide brauchen eine Probefläche, bevor du eine große Fläche machst.

Was Wasserglas ist

Wasserglas ist im Prinzip in Wasser gelöstes Glas. Kaliwasserglas wird laut Kreidezeit aus Quarzsand und Pottasche hergestellt, und für die Farbenherstellung eignet sich ausschließlich Kaliwasserglas. Die Härtung läuft über Kohlendioxid aus der Luft: Dabei „verkieselt" das Wasserglas und bindet Pigmente an den Untergrund. Lithiumwasserglas beeinträchtigt laut Hersteller die Diffusionsfähigkeit der Untergründe nicht. Beide Produkte erreichen laut Hersteller bei einer Verdünnung von 1:2 einen sd-Wert unter 0,01 m (DIN EN ISO 12572).

Die Volldeklaration ist kurz: bei Kaliwasserglas Wasser und Kaliumsilikat, bei Lithiumwasserglas Wasser, Siliziumdioxid und Lithiumoxid. Beide sind laut Hersteller biozidfrei. Lithiumwasserglas ist zusätzlich frei von Lösemitteln und organischen Bindemitteln oder Kunstharzen.

Kali oder Lithium: der Vergleich

Kaliwasserglas Lithiumwasserglas
Aufgabe Bindemittel für Silikatfarbe, Putzfestigung, Grundierung für Wandfarben Transparente Putzfestigung, härtendes Bindemittel
Untergrund unbehandelte, kunstharzfreie, nicht hydrophobierte Kalk- und Kalkzementputze, alte Silikatanstriche unbehandelte mineralische Putze, Beton, Stein, Mauerwerk
Lehmputz nicht für die transparente Fixierung (Herstellerempfehlung) nur innen
Verdünnung mindestens 1:1, zur Putzfestigung 1 Teil auf mindestens 2 Teile Wasser mindestens 1:1
Verbrauch auf Putz je m² etwa 0,1 l Kaliwasserglas plus 0,2 l Wasser (Verdünnung 1:2) je nach Saugfähigkeit etwa 0,1 bis 0,2 l je m² (Verdünnung 1:1)
Trocken nach etwa 2 bis 3 Stunden etwa 2 bis 3 Stunden
Überarbeitbar nach frühestens 24 Stunden frühestens 12 Stunden
Verarbeitungstemperatur mindestens 5 °C über mindestens 48 Stunden, Untergrund nicht unter 5 °C und nicht weit über 25 °C 5 bis 30 °C
pH-Wert 12 11,5
Optik nach dem Trocknen in der Regel weißlich-wolkig in der Regel Farbaufhellung, in einzelnen Fällen weißlich-wolkig

Alle Werte stammen aus den Produktinformationen von Kreidezeit, Stand 12.08.2026. Genaue Verbrauchswerte musst du am Objekt ermitteln.

Der Untergrund entscheidet

Das Merkblatt nennt für beide Produkte dieselben Anforderungen: Der Untergrund muss saugfähig, sauber, trocken, fest und fettfrei sein und frei von durchschlagenden und färbenden Inhaltsstoffen. Dazu:

  • Frischer Kalkputz: mindestens 8 Wochen Wartezeit bis zur Verarbeitung. Frische kalkhaltige Putze ätzen.
  • Altanstriche: Leimfarben und kreidende oder nicht tragfähige Altanstriche gründlich entfernen. Auf gute Haftung prüfen und gegebenenfalls entfernen.
  • Tapetenleimreste gründlich abwaschen.
  • Sandende Untergründe abfegen und die Oberfläche entstauben.
  • Bindemittelanreicherungen und Sinterhaut an Putzoberflächen entfernen, Schalölreste auf Beton ebenfalls.

Das Kaliwasserglas ist ausschließlich für Untergründe gedacht, die kunstharzfrei und nicht hydrophobiert sind. Auf einem Putz mit Kunstharzanteil oder einer wasserabweisenden Ausrüstung ist die Festigung nicht vorgesehen.

Der Sonderfall Lehmputz

Hier trennen sich die beiden Produkte. Kreidezeit schreibt im Merkblatt des Kaliwasserglases: Entgegen weit verbreiteter Empfehlungen raten wir davon ausdrücklich ab, Lehmputze mit Kaliwasserglas transparent zu fixieren. Häufig gehe das mit einem kristallinen, weißlich-wolkigen Erscheinungsbild einher und ruiniere den optischen Eindruck. Für die transparente Fixierung von Lehmputz sei das Lithiumwasserglas besser geeignet.

Das Lithiumwasserglas gilt dort nur im Innenbereich. Und auch hier kann nach dem Trocknen eine Farbaufhellung auftreten, in einzelnen Fällen ein weißlich-wolkiges Ergebnis. Deshalb: Probefläche an einer unauffälligen Stelle, bevor du die ganze Wand machst.

Ein Hinweis, damit es kein Widerspruch wird: Im Tadelakt-Aufbau auf Lehmputz nennt Kreidezeit eine Festigung mit Kaliwasserglas im Verhältnis 1:3. Dort liegt der Wasserglasauftrag aber unter weiteren Schichten (Kaseingrundierung, Kalkhaftputz, Tadelakt), das Erscheinungsbild spielt dafür keine Rolle.

Verdünnen und auftragen

Das Verfahren ist bei beiden Produkten fast gleich.

  1. Verdünnen. Vor der Verarbeitung mindestens 1:1 mit Wasser. Zur Putzfestigung mit Kaliwasserglas mindestens 1 Teil Kaliwasserglas auf 2 Teile Wasser. Nie unverdünnt.
  2. Abdecken. Alle nicht zu streichenden Flächen sorgfältig abdecken, besonders Glas, Klinker, Fliesen, Metall, Holz.
  3. Streichen, nicht rollen. Mit Streichbürste, Pinsel oder Spritzgerät. Der Auftrag erfolgt unbedingt von unten nach oben, damit keine Läufer entstehen.
  4. Vollständiges Eindringen abwarten. Zieht die Lösung nicht vollständig ein, bleiben glänzende Stellen zurück.
  5. Trocknen lassen. Bei Normalklima ist die Fläche nach etwa 2 bis 3 Stunden trocken. Überarbeiten kannst du bei Kaliwasserglas frühestens nach 24 Stunden, bei Lithiumwasserglas nach 12 Stunden.
  6. Kaliwasserglas: abfegen. Die Oberfläche wird vor dem Überstreichen mit einem weichen Besen abgefegt.
  7. Weiter beschichten. Alle Kreidezeit Wandfarben und Putze lassen sich überarbeiten, im Regelfall mit zusätzlicher Grundierung, nämlich Kaseingrundierung oder Vega Grundierung.

Außen gilt für Kaliwasserglas: Direkte Sonne, Zugluft und Schmutz meiden, nicht auf aufgeheizten Fassadenflächen arbeiten, zu schnelle Trocknung vermeiden und die Anstriche in den ersten Tagen vor Sonne und Regen schützen. Verarbeitet wird bei mindestens 5 °C über mindestens 48 Stunden, denke also an mögliche Nachtfröste.

So viel Material brauchst du: Beispiel 20 m² Putz

Mit Kaliwasserglas zur Putzfestigung (Verdünnung 1:2, je m² 0,1 l Kaliwasserglas plus 0,2 l Wasser):

  • 20 m² × 0,1 l/m² = 2 l Kaliwasserglas
  • 20 m² × 0,2 l/m² = 4 l Wasser, zusammen 6 l Lösung.

Das Gebinde: 1 Liter reicht laut Hersteller für 10 m², du brauchst also zwei Flaschen. Der 5-Liter-Kanister reicht für 50 m².

Mit Lithiumwasserglas (Verdünnung 1:1, je nach Saugfähigkeit 0,1 bis 0,2 l Lösung je m²):

  • 20 m² × 0,1 bis 0,2 l/m² = 2 bis 4 l Lösung, das sind 1 bis 2 l Konzentrat.

Ein Liter Konzentrat reicht für 10 bis 20 m². Bei stark saugendem Untergrund rechnest du mit dem oberen Wert, also zwei Flaschen. Für Proben und kleine Flächen gibt es das Lithiumwasserglas auch im 250-ml-Gebinde, für größere Flächen im 5-Liter-Kanister.

Das sind Herstellerwerte. Auf sehr saugenden Untergründen brauchst du mehr, deshalb: lieber eine Flasche zu viel als zu wenig, und die Probefläche zuerst.

Typische Fehler

  • Unverdünnt auftragen. Beide Produkte dürfen nicht unverdünnt verwendet werden.
  • Mit der Rolle arbeiten. Streichen von unten nach oben, nicht rollen.
  • Zu früh auf frischen Kalkputz. Mindestens 8 Wochen warten, frische kalkhaltige Putze ätzen.
  • Sichtbaren Lehmputz mit Kaliwasserglas fixieren. Das ist laut Hersteller die Ursache für wolkige Flächen.
  • Spritzer auf Glas, Fliesen, Klinker oder lackiertes Holz. Es drohen irreversible Flecken, auch auf Brillengläsern. Spritzer sofort mit viel Wasser entfernen.
  • Zu wenig Einwirkzeit. Zieht die Lösung nicht vollständig ein, bleiben glänzende Stellen.
  • Bei Frost oder in der Sonne arbeiten. Bei Kaliwasserglas mindestens 5 °C über mindestens 48 Stunden, bei Lithiumwasserglas 5 bis 30 °C.
  • Falsches Gebinde. Nicht in verzinkten oder Aluminiumgebinden lagern. Frostfrei und luftdicht verschlossen sind beide Produkte mindestens 3 Jahre haltbar.

Sicherheitshinweise: Wasserglas ist alkalisch

  • Kaliwasserglas: Laut Merkblatt entfällt die Kennzeichnung (kein Gefahrgut), das Produkt ist aber alkalisch. Bei der Verarbeitung trägst du Schutzbrille und Schutzhandschuhe.
  • Lithiumwasserglas trägt das Signalwort Achtung mit H315 (verursacht Hautreizungen) und H319 (verursacht schwere Augenreizung). Du trägst Schutzhandschuhe, Schutzkleidung und Augen- oder Gesichtsschutz.
  • Nach Hautkontakt mit viel Wasser abspülen. Bei Augenkontakt mehrere Minuten behutsam mit Wasser spülen und Kontaktlinsen entfernen. Bei anhaltender Reizung ärztlichen Rat einholen.
  • Produktreste nicht in das Abwasser geben, sondern luftdicht verschlossen aufbewahren und später aufbrauchen. Eingetrocknete Reste können laut Hersteller dem Hausmüll beigegeben werden.
  • Außer Reichweite von Kindern aufbewahren.

Das Sicherheitsdatenblatt findest du auf jeder Produktseite.

Wann du es nicht selbst machen solltest

Zur Silikatfarbe schreibt Kreidezeit selbst: Ihre Verarbeitung erfordert gute handwerkliche Kenntnisse und Erfahrung, und Mischungsverhältnisse haben empfehlenden Charakter. Wer eine Fassade mit Silikatfarbe streichen will, sollte die aktuelle Produktinformation „Silikatfarbe" des Herstellers lesen und einen silikaterfahrenen Verarbeiter einbeziehen. Für die Putzfestigung innen und kleinere Flächen genügt in der Regel das, was hier steht, plus eine saubere Probefläche.

Wenn du unsicher bist, ob dein Putz kunstharzfrei und nicht hydrophobiert ist, frag im Laden nach, bevor du Wasserglas kaufst.

Häufige Fragen

Kann ich Lehmputz mit Kaliwasserglas fixieren?

Kreidezeit rät davon ausdrücklich ab. Eine solche Behandlung geht häufig mit einem kristallinen, weißlich-wolkigen Erscheinungsbild einher. Für die transparente Fixierung von Lehmputz nennt der Hersteller das Lithiumwasserglas, das auf Lehmputz nur im Innenbereich verwendet wird.

Darf ich Wasserglas unverdünnt streichen?

Nein. Beide Produkte werden vor der Verarbeitung mindestens im Verhältnis 1:1 mit Wasser verdünnt, Kaliwasserglas zur Putzfestigung mindestens 1 Teil auf 2 Teile Wasser. Stärkere Verdünnungen können nötig sein. Unverdünnt verwenden darf man keines von beiden.

Warum nicht mit der Rolle auftragen?

Der Hersteller schreibt für beide Produkte Auftrag durch Streichen vor und nennt ausdrücklich: nicht rollen. Du arbeitest von unten nach oben, damit keine Läufer entstehen, und achtest darauf, dass die Lösung vollständig einzieht. Sonst bleiben glänzende Stellen zurück.

Wie lange muss frischer Kalkputz stehen, bevor ich Wasserglas auftrage?

Laut Merkblatt mindestens 8 Wochen. Frische kalkhaltige Putze müssen außerdem geätzt werden. Auf unbehandelten, kunstharzfreien und nicht hydrophobierten Kalk- und Kalkzementputzen ist Kaliwasserglas für die Verarbeitung vorgesehen.

Wie viel Wasserglas brauche ich für 20 m² Putz?

Bei Kaliwasserglas auf Putz mit 1:2 verdünnt etwa 0,1 l Kaliwasserglas plus 0,2 l Wasser je m², also 2 l Kaliwasserglas und 4 l Wasser für 20 m². Bei Lithiumwasserglas 1:1 verdünnt sind es je nach Saugfähigkeit 0,1 bis 0,2 l Lösung je m², also 2 bis 4 l Lösung, entsprechend 1 bis 2 l Konzentrat.

Was passiert, wenn Wasserglas auf Glas oder Fliesen spritzt?

Es können irreversible Flecken entstehen, auch auf Brillengläsern. Deshalb deckst du alle nicht zu streichenden Flächen ab, besonders Glas, Klinker, Fliesen, Metall und geölte oder lackierte Hölzer, und entfernst Spritzer sofort mit viel Wasser.

Quellen